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  • Jürg Schmidt

Schweiz: Für eine klare Botschaft braucht es eine stringente Strategie

NZZ-Redaktor Georg Häsler zur Schweiz und lesenswerten Weihnachtsbeilage Krisenmanagement in der NZZ:


Auszug

Die besten Freunde haben Mühe, den Schweizer Standpunkt zu verstehen. Der Bundesrat braucht den Mut zur strategischen Kommunikation: Die nationale «Stratcom» wird in der veränderten geopolitischen Lage eine Schlüsselrolle spielen.


Als vernetztes Land im Mittelpunkt von Finanz-, Energie-, Daten- und Verkehrsströmen ist die Schweiz in der Multikrise besonders exponiert. Die schnellsten Verbindungen zwischen Nord- und Südeuropa führen durch den Gotthard- und den Lötschberg-Basistunnel. Das Stromnetz hat 42 Anschlusspunkte mit den Nachbarländern. Das Rechenzentrum für den internationalen Zahlungsverkehr, das Swift, befindet sich im Kanton Thurgau. Werden diese Wege unterbrochen, hat Europa ein Problem. Die Schweiz, verstanden als Gesamtsystem, ist eine kritische Infrastruktur, damit der wohlhabendste Teil des Kontinents funktioniert. Sie ist zunächst das europäische Wasserschloss und damit auch für die Bio-Sicherheit Europas von nicht zu unterschätzender Bedeutung.


Wie die geografische Lage dies- und jenseits der Alpen ist die gemeinsame Weiter-entwicklung der Eidgenossenschaft eigentlich eine Konstante der Schweizer Geschichte. Darauf könnte ein selbstbestimmtes Narrativ des 21. Jahrhunderts aufbauen.

Doch ein knappes Jahr vor den eidgenössischen Wahlen 2023 erscheint die Hoffnung auf einen solchen Akt des Gemeinsinns zunächst naiv. Die vereinigten Kommunikator-en in und um den Schweizer Politbetrieb schlagen lieber mit einfachen, propagandisti-schen Botschaften um sich. Umso schwerer wiegen die aussenpolitischen Rätsel, die der Bundesrat den Partnerländern aufgibt. Sobald es um Fragen der strategischen Ausrichtung geht, vermeidet die Landesregierung klare Aussagen mit kommunikativer Tiefenwirkung.


Der Streit über den richtigen Weg gehört zur Schweiz – auch in der Polykrise.

Es fällt aber bedeutend leichter, sich zu einigen, wenn die Karten auf dem Tisch liegen. Ein Bundesrat, der seine Gedanken und vielleicht auch Zweifel mit der Bevölkerung teilt, schafft es auch, ein breit akzeptiertes Narrativ zu entwickeln. Deshalb kann der Bundesrat in der Krisenkommunikation getrost auf infantile Botschaften verzichten. Viel wichtiger wäre die Diskussion von Szenarien: Wann wird’s gefährlich? Wo liegt die Schmerzgrenze? Welche Dilemmata sieht die Landesregierung? Die Bürgerinnen und Bürger wollen Klartext, keine Euphemismen.








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